Zusammen mit Genf, Tokio und Detroit gehört die Internationale Automobil Ausstellung (IAA) in Frankfurt am Main zu den vier wichtigsten Messen der Branche. In Anlehnung an den Tennissport könnte man vielleicht vom Grand Slam der Automobilwelt sprechen. Doch selbst aus diesem namhaften Umfeld ragt die IAA noch einmal heraus – so wie Wimbledon das Highlight der Filzball-Schläger ist. Für mich ist das Grund genug, einen ausführlichen Messerundgang zu machen und den interessantesten Trends, kuriosen Geschichten und natürlich den schönsten Automobilen nachzuspüren.

Rebstock. Jeder der einmal auf der IAA war und nicht gerade mit dem Zug anreiste, kennt dieses Parkhaus. Wie immer quetsche ich mich in einen der überfüllten Pendelbusse und lasse mich – ökologisch fast einwandfrei – die gefühlt 500 Meter zum Messegelände kutschieren. Für jeden, der hier ankommt, führt der Weg fast automatisch in Halle 11, wo BMW bereits zum zweiten Mal residiert. Und was erwartet den neugierigen Zuschauer als Erstes? Eine PS-Parade der verschiedenen BMW M-Modelle. Sollte die IAA nicht den automobilen, sprich „grünen“, Fortschritt zeigen?
„Zukunft serienmäßig“ lautet der offizielle Slogan der IAA. Fragen Sie mich bitte nicht, wer sich diesen Quatsch ausgedacht hat. Jedenfalls entnehme ich ihm, dass die IAA einen Ausblick geben möchte. Möchte man den Herstellern glauben, wird die Zukunft elektrisch sein. Freie Fahrt ins Elektrozeitalter? Um ehrlich zu sein: Ja und Nein! Die erste Probe: Eine Mitfahrt im neuen Opel Ampera. Die große Limousine fährt rein elektrisch und wenn der Strom aufgebraucht ist, schaltet sich ein so genannter Range Extender hinzu. Ich muss zugeben: Ein aufregendes Erlebnis. Zunächst gleitet der Ampera leise dahin, dann passiert das Erstaunliche: Dank der 370 Newtonmeter Drehmoment katapultiert ein Tritt aufs Gaspedal den Rüsselsheimer vehement nach vorn.

Mein Interesse ist geweckt. Also ab in Halle 4, in der sich alles um die Elektromobilität dreht. Beispielsweise stellen hier Siemens, E.ON und Bosch aus. Das zeigt, dass nichts ohne die Zulieferer der Schlüsseltechnologien geht. Stunden kann man allein in dieser Halle verbringen und diskutieren, wohin der Weg führt. Eines wird jedoch schnell klar: Trotz vieler spannender Ideen und serienreifer Produkte hapert es momentan vor allem an der passenden Infrastruktur. Wo lade ich mein Auto auf langen Reisen? Brauche ich einen normierten Stecker? Benötigt mein Modell Wechsel- oder Gleichstrom? Seien wir ehrlich: Bis zur Durchdringung des Verkehrs mit Elektrofahrzeugen wird noch einige Zeit ins Land gehen. Aber: Waren die Prototypen lange Zeit vor allem optisch langweilig, zeigen sich auf der IAA attraktive Studien, so zum Beispiel der Stadtflitzer Mia, der Supersportwagen Rimac Concept One oder der BMW i8.
Was die IAA sonst noch zu bieten hat? Alles! Zumindest suggerierte mir mein Allerwertester am späten Abend, dass ich in 99 Prozent aller auf dem Markt befindlichen Modelle gesessen hatte. Darunter einige Überraschungen, ganz vorn mit dabei der neue Kia Rio. So wertig und stilistisch gelungen trat noch kein Koreaner vor das Messepublikum. Aber es gibt auch Enttäuschungen: Während Mercedes aus Halle 2 mittlerweile einen echten Klassiker gemacht hat (mit der Rolltreppe hoch, dann im Kreis wieder herunter), stellte Audi einen unförmigen Klotz auf die Freifläche, in dem es zu allem Überfluss auch noch eng, laut und stickig ist.
Wie dem auch sei, die IAA ist 2011 wieder ein Fest für PS-Enthusiasten. Dafür sorgen allein Neuheiten wie der Ferrari 458 Italia Spider oder der Jaguar C-X 16, eine moderne Interpretation des legendären E-Type. Die elektronisch betrieben Modelle und Hybridfahrzeuge bereichern die Messestände der Hersteller ohne Frage. Noch ist die IAA vor allem eine Messe für Menschen mit „Benzin im Blut“. Aber die ersten Schritte in eine elektrische Zukunft sind unverkennbar.

